Pfarrkirche St. Jakob

Kirchen/Stifte/Klöster, Geistlich
Berwang

GESCHICHTE:
Die Berwanger Pfarrkirche wurde erstmals im Jahre 1434 in einer Schenkungsurkunde des Herrn Hans Wunderer vom "Satens" (= Sautens im Ötztal) erwähnt. Das bedeutet aber keineswegs, dass in Berwang nicht schon früher eine Kapelle gebaut wurde, denn erstens weist der Turm die Jahreszahl 1425 auf und zweitens wurde 1430 die damals schon bestehende Kapelle vergrößert und ein Friedhof angelegt. Von der ursprünglich bestehenden Kapelle ist der gotische Chor (Altarraum) mit einem Hohlkehldachgesims und Spitzbogenfenstern erhalten geblieben.
Zwischen 1730 und 1734 wurde diese Kirche unter Kurat Peter Pig erweitert und am 13. September 1734 von Weihbischof Ferdinand Joseph Graf von Sarntheim eingeweiht. Unter Kurat Pig wurde auch der Widum auf Kosten der Gemeinde restauriert und durch zwei Zimmer vergrößert. Zehn Jahre später, also im Jahre 1744, ließ Kurat Michael Viertl in der Kirche drei neue Altäre - von der Bildhauerfamilie Stapf aus Pfronten -, eine neue Kanzel und zwei Beichtstühle aufstellen. Der Seitenaltar auf der Evangelienseite wurde zu Ehren Mariens "in hon. M. V. Reginae S. Rosarie", der linke Seitenaltar zu Ehren des hl. Sebastian geweiht; die Gemälde schuf der Reuttener Maler Paul Zeiller. Vom Hochaltar ist nur mehr das Gemälde "Maria mit Kind übergibt den Rosenkranz an Dominikus, Jakobus und Andreas" von Paul Zeiller erhalten und hängt heute an der Seitenwand im Presbyterium (Altarraum) der Kirche, bezeichnet "Paul Zeiler pinxit A°. Sue 80 Jahr Ano 1735" - eine Stiftung des Wiener Baumeisters Andreas Perchtold, gebürtig aus Berwang, und zwar zur Ehre Gottes und seiner Mutter Maria, wie auch des Apostels Jakobus als Pfarrpatron. Das Sebastiansgemälde von Paul Zeiller befindet sich heute im Heimatmuseum Reutte. Das Gotteshaus besaß damals keine Deckengemälde.
Eine Restaurierung dieser Kirche erfolgte 1879/80. Der barocke Hochaltar musste dabei weichen und wurde durch einen neuen im neugotischen Stil ersetzt. 1904 entstanden die Deckenfresken durch Johann Kärle aus Vorderhornbach. Wer die Berwanger Pfarrkirche vor 1944 gesehen hat, der erkennt sie heute nicht mehr. Ihr jetziges Aussehen erhielt sie durch eine gründliche Restaurierung und total verändernde Renovierung in den Jahren 1944-1948 unter Pfarrer Waitz. Sämtliche Altäre, die Kreuzwegstationen aus dem 18. Jh. sowie sämtliche Deckenfresken mussten weichen: Die Altäre wurden abgerissen, die Kreuzwegstationen verkauft und die Fresken an der Decke von Otto Hämmerle aus Pinswang übermalt.

DAS ÄUSSERE:
Schlichter Langhausbau ohne plastische Gliederung unter einem Satteldach. Der niedrige Chorbau schließ polygonal. Der Turm trägt die Jahrezahl "1425" und besitzt im Norden und Osten Spitzbogenfenster (jenes im Osten mit Maßwerk). Seine gotische Spitze wurde 1816 durch den Luftdruck einer Staublawine vom Hönig beschädigt; 1818 wurden durch eine Sturmböe Kreuz und Kugel weggerissen. 1819 wurde der Turm renoviert, dabei um 9 Meter gekürzt. Weitere Renovierungen und Ausbesserungen erfolgen in den Jahren 1961/62. Der Nordeingang des Langhauses zeigt einen gotischen Spitzbogen mit dem Symbol des Patronatsheiligen, der Jakobsmuschel.

DAS INNERE:
Wer mit offenen Augen und mit etwas Kennerblick die Kirche betrachtet, wird im Inneren eine deutliche Teilung feststellen, und zwar in den alten, aus dem Jahre 1425 stammenden gotischen Chor (Altarraum) und in das um 1730-1734 erweiterte und höher gehobene barocke Kirchenschiff (Betraum). Der Chor wirkt kapellenartig, ist vom Umbau verschont geblieben, und ist durch einen eingezogenen Chorbogen vom Langhaus getrennt.

AUSSTATTUNG:
Der Hochaltar mit dem geschnitzten Abendmahl, einem Meisterwerk des Tiroler Bildhauers Johannes Obleitner aus Reith bei Seefeld, stammt aus dem Jahre 1945. Der Aufbau des Altares gleicht sich in seiner ganzen Gestaltung dem gotischen Chorraum an. Die Bildwerke, die den Altartisch verkleiden, versinnbilden das "Alte Testament". Die Reliefs an den Außenseiten des Altartisches zeigen rechts Adam und links Eva: Eva bietet Adam den Apfel an, Adam führt ihn zum Mund. An der Vorderseite des Altartisches erscheint der zornige Moses, der - vom Berge Sinai kommend - sein Volk vor dem Goldenen Kalb tanzen sieht. Auf der linken Hälfte der Vorderseite ist König David mit Königsmantel und Harfe dargestellt. Im Zwischenstück zwischen Altartisch und Abendmahl steht in der Mitte der Tabernakel, von zwei knienden Engeln begleitet. Links und rechts davon sind die Zeichen der vier Evangelisten, durch eine Diagonale voneinander getrennt zu sehen: links Matthäus (Mensch) und Markus (Löwe), recht Lukas (Stier) und Johannes (Adler), gerahmt von handgeschriebenen Kanontafeln.
Das Zentrum des Abendmahls bildet der brotbrechende Heiland, links folgen Johannes, Jakobus d. Ä., Andreas, Simon, Thaddäus und Judas, rechts Petrus, Jakobus d. J., Philippus, Thomas und dahinter die Köpfe von Matthäus und Bartholomäus. Über dem Abendmahl ist eine verzierte Leiste mit einem Dreieck aufgesetzt, das ans Auge Gottes erinnern soll und mit den drei Seiten an die Dreieinigkeit gemahnt. Dahinter ist das "Ewige Licht" angebracht. Die zwei neugotischen Türmchen, die hoch über den Altar hinausragen, flankieren das mittlere Kirchenfenster mit dem hl. Jakobus. Die Sockel dieser Türmchen zeigen links den hl. Isidor mit Spaten und die hl. Notburga mit Garben, Kanne, Schüssel und Sichel - als Patrone des Bauernstandes - und recht die Hll. Sebastian und Barbara, die wegen ihres Glaubens sterben mussten. Den Abschluss dieser Türmchen bilden zwei posaunenblasende Engel.
Bei der Renovierung 1944-1948 wurden auch die alten Seitenaltäre und somit auch die beiden Statuen von Maria und Sebastian entfernt. Dafür wurden an die frei gewordene Hinterwand Bilder gemalt (Maria mit darüber schwebenden Engeln und der hl. Sebastian, an einem Baum gefesselt). Diese Gemälde fanden bei der Berwanger Bevölkerung keinen Anklang, stießen auf Widerstand und wurden daher wieder übermalt. Anstelle des Sebastiansgemäldes wurden nun am rechten Seitenaltar der Cruzifixus und ein Sebastiansrelief, am linken Seitenaltar aber eine Skulptur der Maria Immaculata von Bildschnitzer Hartl Bischof aus Elmen angebracht. Diese Marienfigur erschien der Bevölkerung wiederum nicht angemessen.
So wurde auch sie entfernt und durch die Muttergottes aus früherer Zeit ersetzt. Die Maria Immaculata befindet sich jetzt über dem nördlichen Eingang. Die Beichtstühle erhielen um 1770 neue Aufsätze mit Rocailledekor (Rokokoornamenten) und Gemälden der hl. Magdalena links und des hl. Petrus rechts. Hinter dem rechten Beichtstuhl befindet sich eine Pietà (Maria mit dem Leichnam Christi auf dem Schoß), die zu dem Kriegerdenkmal von Johannes Obleitner, 1946, gehört.
Die Kanzel mit Putten und Puttenköpfen (kleine Engelsfiguren) stammt aus dem Jahre 1744. Den Kanzeldeckel zieren zwei sitzende Engelsfiguren mit Schriftbändern und ein Posaunenengel mit den Gesetzestafeln. Die figuralen Bildwerke schuf 1746 Bildhauer Mang Anton Stapf aus Pfronten.
Die Deckengemälde zeigen vorne die Verkündigung, in der Mitte die Anbetung der Hirten und über der Empore St. Cäcilia mit musizierenden Engeln, 1944 von Otto Hämmerle ausgeführt. Dieser malte 1946 auch die Kreuzwegstationen. An der Brüstung der Doppelempore sind die Zehn Gebote von Maler Joachim Carl Friedrich, 1946, zu sehen.
1756 wird erstmals eine Orgel erwähnt. Die jetzige stammt von Franz Weber aus Oberperfuß aus dem Jahre 1879.

DIE GLOCKEN:
Die erste Glocke mit der Aufschrift "Veni cum pace, o rex gloria Christi" wurde 1557, eine zweite 1561 angeschafft. Sie stammen von Gregor Löffler und seinen Söhnen Simon Elias und Hans Christoph. 1772 folgten zwei weitere Glocken mit den Inschriften "A fulgure et tempestale libera nos Domine Jesu Christe" und "Sub tuum praesidium confugimus sancta Dei Genitrix". Während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) mussten die Glocken mit Ausnahme der ersten Löfflerglocke abgeliefert werden. 1924 wurden wieder drei Glocken bei der Firma Hahn und Adler in Reutte angeschafft. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) mussten die Glocken wieder abgegeben werden. 1958 bekam Berwang dann wieder neue Glocken der Firma Grasmayr/Innsbruck mit elektrischer Läutanlage. 1974 wurde der Glockenstuhl im Stahlbau errichtet.

DER FRIEDHOF:
Der erste Friedhof ist 1430 genannt. 1979/80 erfolgte eine Erweiterung des Friedhofes nach Osten und Süden und gleichzeitig der Bau einer Aufbahrungs- und Einsegnungshalle mit zwei Bronzetafeln mit den Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege.


Öffnungszeiten

Die Pfarrkirche kann tagsüber jederzeit besichtigt werden.
Gottesdienste Samstags 18.00 Uhr

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